SUNITA ASNANI
Räume öffnen, Energien aufnehmen
Zum 52. Kunstzmittag sind wir zu Gast im “Atelier-auf-Zeit” von Damaris und Barbara – einem Raum in der Friedenskirche, Stadtkloster Frieden.
Bereits beim Ankommen fällt eine Papierkernform ins Auge. Barbara erklärt: Sie modelliert an jedem neuen Arbeitsort ein Porträt aus Ton – eine rituelle Geste, um sich mit dem Ort zu verbinden, unabhängig von seiner Geschichte oder den Energien, die dort wirken. Ein Anker, der den Übergang ins kreative Arbeiten erleichtert.
Sunita teilt ein Video, eine erste Skizze ihrer Zusammenarbeit mit Drummer Gregor Hilbe und Filmkünstler Thomas Radlwimmer. Die Reaktionen sind vielschichtig: Graziella gefällt die sphärische Qualität gepaart mit Körperlichkeit, Barbara schätzt die Sinnlichkeit und die hohe ästhetische Dichte, Jacqueline ist von der Farbwelt und Bildsprache überwältigt. Die Übergänge, so Graziella, wirken teilweise noch etwas abrupt. Sunita ist begeistert von der Qualität der Aufnahmen.
Danach diskutieren wir das Portfolio, das Damaris für Barbara erstellt hat. Es ist ein flexibel ergänzbares Konzept, das sowohl digital als auch in gedruckter Form genutzt werden kann. Jacqueline bringt ihre Erfahrungen aus der Portfolio-Akademie ein und rät zu unterschiedlichen digitalen Versionen mit klarer Zielgruppenansprache. „Papier ist tot”, meint sie. Graziella widerspricht: Authentizität zählt. Wer haptisch arbeitet, darf auch ein haptisches und unkonventionelles Format wählen. Davon sind wir alle inspiriert.
Graziella führt uns live eine Bewegungsrecherche in der Kirche vor. Ihre physische Präsenz, ihre Energie – das bewegt. Barbara fühlt sich erinnert: Auch sie hat ihr Wirken hier in den letzten Monaten als Bewegen von Energien erfahren. Jacqueline spricht von der Verbindung zwischen individueller Energie und den zeitaktuellen Strömungen. Isabel denkt an Haut, Häutung, ein Erwachen aus der Starre. Graziella vertieft das: Häutung als Metapher für Identität, Transformation, das Sich-Herauslösen aus Enge. Inspiriert von einer Installation im Unterengadin kreisen ihre Gedanken um das Frausein in dieser Welt.
Barbara und Damaris zeigen uns die Pilgerzimmer, die sie gestaltet haben. Drei Räume – schlicht und kraftvoll –, entstanden trotz herausfordernder Umstände mit minimalen Ressourcen. Ein Ort der Ruhe und Reduktion – in vollkommener Resonanz mit dem Pilgergedanken.
Das 52. Kunstzmittag ist wieder ein Raum, in dem sich Energien entfalten, Künstler*innen sich gegenseitig ermutigen und inspirieren – und neue Verbindungen entstehen.